Alles über Tartarovs Konzert

13. PR-Jekami: Ein Star aus der Retorte in nur 10 Tagen

Das Hauptproblem: Das Tartarovkonzert konnte man nur einmal starten. Nachher war es für Jahrzehnte nicht wiederholbar. Es musste geheim bleiben, Es gab knapp zwanzig Mitwisser, angefangen mit Zürichs Stadtpräsident und dem Chef der Fremdenpolizei, 3 Leuten beim Fernsehen usw. 

Ich entschloss mich, die ganze PR-Kampagne innert 10 Tagen vor dem Konzert durchzuführen. In dieser Zeit musste ich den nichtexistierenden Antonei Tartarvov zum grössten Pianisten der Welt hochjubeln, 2000 Leute in sein – klassisches - Konzert locken und die 33. Beethovensonate glaubwürdig machen. 

Ich machte ein aufwendiges Programmheft mit den zwei Märchen (Kap. 10 und 11)
und vielen Fotos. Meine Familie holte 3000 Adressen aus den Telefonbüchern und jede bekam ein Heft. 

Das Fernsehen machte eine Konzertvorschau und es geschah etwas ganz Unglaubliches. Der Organist André Manz spielte vor der Kamera einen französischen Literaturprofessor als Freund von Tartarov. Als André nach Hause kam berichtete ihm seine leibliche Mutter von einer interessanten Sendung mit einem sachkundigen Professor den er leider verpasst habe. Frau Manz hatte ihren Sohn nicht erkannt. Er durfte ihr erst eine Woche später offenbaren, wo er an jenem Abend wirklich gewesen war.

14. Stratageme und Strategien

Bei den Märchen drei Nummern gröber und dreister stricken als man gerade noch für glaubwürdig hält. 

Wenn man mit dem Kopf durch die Wand rennen will – viel Anlauf nehmen und auf dem Weg nicht bremsen. 

Zuallererst Glaubwürdigkeit produzieren. Dazu dient das Konterkarieren. Das Publikum hart führen! Das Unerwartete tun. Das Erwartete verweigern.

Es erwartete einen russischen Bären. Tartarov kam in einem von Hauser designten eleganten Fantasiefrack als exotischer Dandy mit roten Bändern, Schuhen mit grossen goldenen Schnallen und mit schneeweissen Handschuhen.

Statt mit Löwenpranken loszudonnern legte er sanft die Handschuhe auf den Flügel, liebkoste die Tastatur und begann largissimo pianissimo Skrjabins Sonate in der exotischsten aller Tonarten nämlich Fis-Dur. Das Publikum traute sich kaum mehr zu atmen. Dann steigerte sich die Dynamik um sich nach einer knappen Stunde in den Hammerschlägen der sogenannten Prokofieff-Tokkata masslos auszutoben. 

Versteckte Wünsche nach Kitsch erfüllen – das Geheimnis von Richard Wagner. 

Der Name Antonei Sergejvitch Tartarov war ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ich kompilierte ihn über Wochen hinweg als Harmonie von extrem maskulinen und femininen, bzw. mütterlichen Elementen. Wie sanft eine Mutter „Antonei“ sagen würde.

Der Name allein schon erweckt so viel Erwartungen wie Wagners Siegfried.

Ein Held musste er sein, unser Tartarov, in einer feindlich gesinnten Welt erprobt.
Fast alle Leute fürchten sich davor, dass die Welt ihnen möglicherweise feindlich gesinnt sein könnte. Sie brauchen dann Gott- oder Weltvertrauen und dazu gehen sie ins Kino, lesen Bücher usw.

Die Leute zum Träumen bringen. Wichtig ist nicht das was geschieht und was man sagt, sondern das was sich die Leute dazu denken und wie sie dies weiterspinnen.

Die Matrosen müssen wissen, dass der Kapitän nicht schwimmen kann.

Die Matrosen müssen wissen wie viel zu weit der Kapitän notfalls zu gehen bereit ist.

Bei einer solchen Veranstaltung müssen die Eintrittspreise betont niedrig sein.

Die Veranstalter dürfen kein Geld verdienen. 
In diesem Fall gingen die gesamten Einnahmen an UNICEF.
Der Veranstalter H.K. hat alle Ausgaben selber bezahlt. 
Tartarov trug seine Kosten und erhielt kein Honorar.

Das Publikum wurde vor dem Ende der Veranstaltung korrekt informiert. 
(Rede von Hannes Keller bei den Musikstücken). Das Publikum hatte die Möglichkeit, den Beifall zu verweigern und mit aller Vehemenz zu protestieren. Das Publikum hatte das Recht, das Eintrittsgeld und den persönlichen Aufwand ohne Begründung zurückzufordern.

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