Alles über Tartarovs Konzert

15. Die berühmte Globetrotterin trottet zum Verrat

Ein vorzeitiger Verrat meiner Märchen hätte das ganze Konzert sinnlos gemacht. Deshalb entschloss ich mich die drei eifrigsten Zeitungen vorzeitig zu informieren, insbesondere das Skandalblatt „Blick“. Alle versprachen Ruhe vor dem Sturm und wussten im Gegenzug, dass dann und nur dann eine Exklusivstory kommt.

Leider entschloss sich die Journalistin und Globetrotterin Charlotte Peter zum Verrat, um einen Primeur zu landen. Eine Woche vor dem Konzert veröffentlichte sie die wahre Geschichte – und siehe da: niemand glaubte ihr. 

Die Kollektive Intelligenz folgte der unzählige Male in amerikanischen Filmen gelehrten Weisheit des alten Journalisten:

„. . .  wenn die Legende Wirklichkeit wird, nimm die Legende . . . „

John Ford: „Der Mann der Liberty Valance erschoss“, Western 1962
In diesem Film enthüllt sich eine wahre Geschichte hinter einer Legende. Die Frage kommt auf, ob man unter allen Umständen, auch zum Schaden aller, die Wahrheit enthüllen muss.


Ich stellte sie wegen Wortbruch zur Rede. Sie spielte „Betroffene wegen meinem Zynismus, Tartarov über seine Nichtexistenz hinaus auch noch zu einem sprachlosen Krüppel zu machen. 

Selbstverständlich musste Tartarov angeblich sprachlos sein, weil er wirklichen Russen nicht antworten konnte. Zudem aber konnte ich erklären, dass das Klavier für Tartarov zum Ersatz-Sprachorgan geworden sei, was einerseits seine grossartige Musikalität erkläre und anderseits die Musik für ihn so heilig sei, dass er sie niemals der Profanität einer Konzertkarriere ausliefern könnte und schon gar nicht für Geld. Und dass deshalb der gesamte Konzerterlös an die UNICEF gehen müsse. 

Frau Peter erreichte Herrn Tobler, Direktor der Tonhalle und legte ihm nahe, den Konzertsaal zu sperren. Herr Tobler sagte, dass ich, Hannes Keller, ein Ehrenmann sei, der niemals etwas Krummes täte, und dass er den Mietvertrag einhalte. 

Herr Tobler war am Konzert und freute sich riesig. Er sagte mir, dass er den Saal gesperrt hätte ,wenn er die wahre Geschichte gekannt hätte. Nachträglich sichere er mir jede erdenkliche Hilfe zu wann immer ich wieder etwas mache.

16. Geheimsache Sicherheitsdispositiv. Juristisch verjährt.

Zum Glück erfährt Herr Tobler erst jetzt – falls er dies liest - von meinem Sicherungsdispositiv. Ich hatte ein Team von Freunden unter der Leitung des angehenden Advokaten Fleury Niggli. Ich gab den schriftlichen Befehl, dass Tartarov unter allen Umständen mindestens 1 Minute spielen müsse, noch besser 5 oder mehr, wenn möglich das ganze Konzert. Dann sei die Legende in die Welt gesetzt. Und jedermann werde von einem bibelreifen Wunder berichten.

Falls die Glastüre zum Vorraum der Tonhalle verschlossen sei, solle man sie stürmen und den dort stehenden alten Übungsflügel auf die Strasse schleppen. Selbst wenn es regne und ich nachher ein neues Instrument kaufen müsse. Dann soll Tartarov inmitten der Leute mit dem Klavier donnern und schmeicheln. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn die Leute auf und unter dem Flügel liegen, stehen, sich lieben, mitsingen usw.

Wenn die Menschenmasse den ganzen Verkehr samt Strassenbahn blockiere dann sei das Resultat noch besser.
Niggli trug 10.000 Schweizer Franken in kleinen Noten auf sich. Er sollte zahlen, bestechen und Noten in die Menge werfen, was immer gerade tunlich sei. Neben den starken Männern mit Werkzeugen war da auch noch eine sehr liebenswürdige hübsche junge Dame, die versprach, sich die Bluse vom Leib zu reissen um die Menge sekundenschnell um den Verstand zu bringen. 

Meine Lehre: Man soll nie über einen halben Bach hüpfen.

17. Alles Nervensache. Tartarov hält durch.

Das Konzert wurde mit 2000 Besuchern ein Riesenerfolg. Die gesamten Einnahmen gingen an UNICEF. Die Kosten trug ich.

18. Eine Gaudi sondergleichen: Der Die-Tat-Kritiker „ohr“ und
der Taucherhannes raufen und wälzen sich in der Gosse

Der Komponist und TAT-Kritiker Herr Schneider „ohr“ schrieb eine zornige und unflätige Kritik (siehe Kritiken im Anhang).

Ich fand das überaus lächerlich und versuchte, ihn mit einer noch übleren Replik zu übertreffen. Darauf reagierte er noch schmutziger und ich auch noch. Keiner blieb dem Kontrahenden etwas schuldig. Es war lustvoll und blutvoll. Wir alle mit den Lesern und dem Chefredaktor Roger Schawinsky (ja, DER Schawinsky) genossen das Schauspiel. Nach zwei Raufereien zogen wir uns grollend zurück und überliessen die Gosse den Politikern.

Siehe: 2. Kritik Konzertkritiken

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