Alles über Tartarovs Konzert

19. Die Carnegie Hall bleibt auf Hannes’ Fresszettel

Jean Jacques Hauser bat mich um weitere Inszenierungen. Zwei Pläne wollte ich sofort verwirklichen: 

Tartarovs Debüt in der Carnegie Hall.
Eine absurde Show bei BBC Television

Ich sagte Jean Jacques Hauser, dass diese Dinge für mich die Arbeit eines Jahres bedeuten und ich dafür die Hälfte der Gewinne beanspruchen würde.
Er wollte darüber diskutieren – ich nicht. Das Thema war augenblicklich vom Tisch.
Die zwei Projekte gingen in meinen Ideensarg und wir blieben Freunde.
Ich lenkte meinen Ideensturm auf meine eigene Zukunft.

Hier aber möchte ich die zwei Projekte wenigstens erzählen: 

Ich hätte in der Carnegie Hall die Namen Hauser und Tartarov gar nicht publiziert. Die wären nachher von selbst ins Spiel gekommen.
Ich hätte ein Konzert angekündigt in dem Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Liszt, Rachmaninow und Gershwin mit neuen Werken einen Wettbewerb austragen. Der vom Publikum erwählte Gewinner trägt die Einnahmen der Veranstaltung in einer grossen, kitschigen goldenen Kiste von der Bühne, gefeiert von Filmstars und dem Bürgermeister.

Frau Magdalena Bach hätte neben dem Flügel Babysocken gestrickt. Liszt hätte schmachtende Mädels zu Füssen gehabt, die seine nackten Füsse geküsst hätten. Rachmaninow wäre von Arthur Rubinstein begleitet gewesen, der ihm seinen Koffer  nachgetragen hätte und einen Blumentopf. Ich glaube, ich hätte (damals 1968) den überaus lebensfreudigen Arthur Rubenstein in die Sache hineinschwatzen können.
Chopin wäre mit einem Ruderschiff in Form eines Schwans auf die Bühne gerudert und hätte „Wagnermelodien à la Chopin“ gespielt und viel geweint.
Gershwin wäre mit einem echten schwarzen Sam aus Harlem
wie aus dem Film Casablanca gekommen und der hätte in einer Ecke der Bühne auf einem Barklavier "Play it again, Sam" repetiert und dem Gershwin ins Konzert hineingeklimpert und gesungen. Gershwin und Sam hätten sich gestritten, auch mal die Klaviere getauscht und vierhändig Ragtimes gespielt.
Liszt wäre mit zwei Butlern aufgetreten und einem kläffenden Hund. Für den Hund wäre ein Fressnapf mit einem richtig grossen Knochen dagewesen und ein Baum an den er pissen sollte.

Vielleicht wäre noch Brahms auf einer Harley-Davidson quer durch den Zuschauerraum herangebrummt. Ein Rocker am Lenker, Brahms im Seitenwagen.

Wir hätten dafür gesorgt, dass Beethoven nicht gewinnt, dann wütend auf die Bühne stürmt und laut schimpfend sein berühmtes Stück „Die Wut über den verlorenen Groschen“ spielt.

Liszt hätte auch verloren und wäre ebenfalls noch wütend auf die Bühne gestürmt, aber von seinen Mädels zurückgehalten und wieder hinausgeleitet worden. Die Mädels hätten ihn daran gehindert nochmals zu spielen. Eines der Mädchen (eine Pianistin) hätte das übernommen und an seiner Stelle „Stars and Stripes“ gespielt.

Schaaggi hätte alle diese Komponisten - die ja auch Pianisten waren - mit entsprechenden Kostümen und Masken gespielt. Es wären Requisiten und Zusatzpersonen auf die Bühne gekommen.

20. Rosemarie Brown bleibt am Kamin im trauten Heim

Es gab damals in England eine verrückte wortgewaltige Alte namens Rosmarie Brown. Sie spielte ein wenig Klavier und behauptete, dass Franz Liszt bei ihr erscheine und ihr am Klavier neue Kompositionen vortrage die sie aufschreiben und publizieren solle. Auch Albert Einstein und andere grosse Geister würden sie oft besuchen.

Die Improvisationen von Frau Brown waren eher stümperhaft.

Ich wollte, dass BBC die Frau Brown in eine Talkshow einlädt und sie auch Stücke vorträgt.
Dann kommt plötzlich der von Tartarov gespielte Franz Liszt aus einer Rauchwolke auf die Bühne. Es stinkt nach Schwefel. Er küsst Frau Brown mit extremster Galanterie die Hand, spricht französisch und ungarisch und beginnt extrem virtuos zu spielen. 

Das weitere ergibt sich. Frau Brown könnte sich einfügen oder protestieren oder flüchten. Langweilig wäre es auf keinen Fall.

21. Altersweisheiten vom Tiefseetaucher

Das gesteckte Ziel war unerreichbar. Der Beweis, dass ein Konzertpublikum genial improvisierte Werke à la Beethoven genauso geniesst wie echten Beethoven genügt nicht. Das Vorurteil, dass so etwas nicht Kunst sein darf und deshalb niemals Kunst ist, konnte ich nicht ausräumen.

Das selbe Problem habe ich mit meinem Internetmuseum Visipix.com.

Das Geniessen von Repros insbesondere am Bildschirm gilt als minderwertig, ja gar als verwerflich.

Ich denke, dass die Besessenheit für „Originale“ mit Fetischismus zu tun hat.

Wehe, in einer Kirche stellt es sich heraus, dass der Jahrhunderte lang angebetete Fussknochen der Heiligen Eulalia in Wirklichkeit von einem unbekannten Mann, vielleicht gar einem ausländischen Kriminellen stammt. Alle Wunderheilungen wären Placebos usw.

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