Alles über Tartarovs Konzert

9. Der gute Professor schiesst sich in den Fuss

Die Neue Zürcher Zeitung ist die vornehmste und intellektuellste Publikation der Schweiz. Ihr Universitätsprofessor Herr Reich schrieb zum Tartarovkonzert:

„... technisch und vortragsmässig Hervorragendes leistete, wie auch in der angeblich von Prokfieff herrührenden „Zweiten Toccata“ aus dem Jahre 1919, die aber in keinem dem Komponisten gewidmeten Werkverzeichnis – wir konsultierten deren vier – zu finden ist . . . Effektvoll und primitiv waren die für den Fachmann unschwer als solche zu erkennenden Improvisationen .. ,

Nun hatte der gute Professor geglaubt, im Konzert sei alles vor der Pause Originalwerke gewesen und alles nach der Pause „Eigenbau Hauser“. Dann wäre die Unterscheidung tatsächlich „unschwer“ gewesen. Aber so war es nicht, Hausers selbstgemachter Prokofieff kam vor der Pause und der Professor suchte in seinen Werkverzeichnissen. Auch der beste Jäger gönnt dem Hasen gelegentlich das Glück, dass er sich in den eigenen Fuss ballert.

Dieses Beispiel beweist einmal mehr: Viele Experten und ganz besonders Kritiker überschätzen ihr Sensorium für historische Echtheit. 

10. Das Gegengift - Die Idee und ihr Vorläufer

Für mich sind Jean-Jacques Hausers Improvisationen grosse Kunst die den selben Quellen entspringt wie jene z.B. von Schubert. In mir erzeugt ein Impromptu von Hauser das selbe Erlebnis wie eines von Schubert. Es muss einfach gut komponiert sein. 

„Gut“ heisst, weder vom Verstand noch vom Herzen noch vom Geruchsinn von den Originalen unterscheidbar.

Heutzutage wurde ich einen namhaften Musikkritiker in einen Hirntomografen stecken und die Hirntätigkeiten bei verschiedenen Musikstücken vergleichen. 

Damals wollte ich am Radio oder Fernsehen mit Musikkritikern eine Wette durchführen. Ich würde wenig bekannte Originalstücke von Mozart u.a. mit Hausers Improvisationen mischen. Die Kritiker müssten die Originalwerke identifizieren. Es ginge um viel sehr wohltuendes Geld. 

Ich verzichtete, weil unter solchen Umständen jede Musik an der Seele vorbeischrammt. 

Also brauchte ich ein grosses Konzert in einem namhaften Saal mit einem unverdächtigen grossen Meister und einem Mix von Originalen und Improvisationen.

Das Tartarovkonzert war geboren.

 
Der Vorläufer

Aus der Kindheit erinnere ich mich ewig an das Reisebuch von A.E. Johann „Mit zwanzig Dollar in den wilden Westen“ 1927-28, Gesamtauflagen 1'250'000 Exemplare. 

In Vancouver war er an einer Party und fand in einem Nebenraum ein Klavier. Er konnte keineswegs Klavier spielen aber es machte ihm Spass ganz irre die Tasten zu kitzeln, mal laut mal leise. Plötzlich war da eine faszinierte Dame und fragt nach dem Komponisten. Johann nannte irgendeinen Namen und sagte, das sei in Europa die zeitgenössische Musik, die leider nur wenigen Auserwählten verständlich sei.
Und plötzlich fand sich Johann in einem Konzertsaal voller Leute und macht grossen Lärm. 

Der Erfolg war phänomenal. Es kam wie es kommen musste. Er musste es seinem besten Freund erzählen. Ganz verschwiegen, versteht sich. Sie amüsierten sich wie irre über die Musikgläubigen in ihrem Hunger nach den neuesten Erleuchtungen. Aber bald wurde Johann von allen gemieden und musste ganz schnell abreisen.

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